Almanya

Published on Ağustos 1st, 2019 | by Avrupa Forum 3

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Das Vermächtnis des deutschen Widerstandes und seines Helden Georg Elser – Harry R. Wilkens

Am 19. Juli erschien in Avrupaforum von Ibrahim Okçuoğlu ein sehr lehrreicher Artikel über den deutschen Imperialismus und die Europäische Union. Dieser Artikel tat gut, denn es ist schon fast ein Tabu, über dieses Thema zu reden und zu schreiben…1967 fing ich bei der Brüsseler EWG-Kommission als Verwaltungsangestellter an. Der schwule deutsche NS-Europäer Walter Hallstein war gerade von einem belgischen EWG-Präsidenten abgelöst worden (welche Erleichterung für die jungen Männer!), doch der Geist Hitlerdeutschlands und Vichys herrschte weiter. Auch die zahmen jungen Angestellten und Beamten machten mit und begehrten nicht auf. Ich hielt diesen Wahnsinn nicht mehr aus und demissionierte nach knapp zwei Jahren…. Zu dieser Zeit saß schon die nächste deutsche EU-Kommissarin, Ursula von der Leyen, als Erst- und Zweitklässlerin in der Europaschule, die ich manchmal geschäftlich besuchen musste…

In ihrer Zeit als Verteidigungsministerin verkam die Bundeswehr immer mehr, nicht nur materiell, sondern auch geistig. Der Neonazismus findet immer mehr Anhänger in der Bundeswehr – unter den einfachen Soldaten ebenso wie unter Offizieren und gar Generälen. Und unter von der Leyens Nachfolgerin AKK (Annegret Kramp-Karrenbauer) wird sich daran nichts ändern. Welche Scheinheiligkeit, wenn jedes Jahr am Gedenktag 20. Juli junge Bundeswehr-Rekruten vereidigt werden und an anderer Stelle Bundeswehrangehörige den Hitler-Attentätern um Graf Claus Philipp Maria Schenk von Stauffenberg gedenken!


Gedenkbriefmarke Georg Elser

Aber gedenken wir an dieser Stelle lieber den vielen unbekannten Widerständlern, die zwar nicht-adlig sind, die aber mit ein wenig mehr Glück das Monster zur Strecke hätten bringen können – allen voran der schwäbische Kunstschreiner und in Wirklichkeit geniale Feinmechaniker und Uhrmacher Georg Elser, der in dem Film “Einer aus Deutschland” mit und von Klaus-Maria Brandauer verewigt wurde, in dem ich 1989 in München als Statist mitspielen durfte… Die letzten Wochen der Vorbereitung zum Anschlag wohnte Elser ausgerechnet in der Türkenstraße (!) in München…

Nur durch einen dummen Zufall entkam am 8. November 1939 Hitler der äußerst kompliziert gebastelten Bombe mit dem kompliziertesten Zeitschaltwerk, das sich ein Genfer Uhrmachermeister vorstellen könnte. Dies hätte der Menschheit so viel Leid erspart, und natürlich den zwei Monate zuvor durch den Angriff auf Polen begonnenen Krieg beenden und die Weltgeschichte ändern können… Hitler und seine hochrangigen Begleiter der NS-Führungselite (!) verließen den Bürgerbräukeller genau dreizehn Minuten früher als von den Nazis und Elser vorgesehen. Der Explosion fielen “nur” acht Personen zum Opfer, und es gab rund sechzig Verletzte, darunter sechzehn Schwerverletzte, obwohl der Saal sich schon entleert hatte.

Elsers Fluchtversuche in die Schweiz scheiterten leider, wobei man sich fragen muss, ob ihn die Schweizer Behörden nicht einfach ausgewiesen oder gezielt an die Gestapo ausgeliefert hätten… Natürlich wird es diesen 8. November, 80 Jahre danach, in Berlin keinerlei Festakt für diesen aufrechten deutschen Recken geben… Nur 20 Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die Amerikaner wurde Elser daselbst am 9. April 1945 durch Genickschuss liquidiert. Dies geschah einen Monat vor der Kapitulation der Wehrmacht! Es war nicht mehr notwendig, Elser jahrelang am Leben zu erhalten – für einen grandiosen Schauprozess nach dem “Endsieg”, wo er als im Dienste Großbritanniens vorgeführt werden sollte…

Seit 2018 versucht die Türkei verstärkt, sich mittels der rechtsradikalen islamistischen “Grauen Wölfe” in Deutschland noch mehr in die politischen Parteien einzubringen. Da sie als Sport- und Kulturvereine auftreten, folgt so mancher deutscher und österreichischer Politiker deren Einladungen als Ehrengast. Graue Wölfe leben den “Pantürkismus” und “Turanismus” und leugnen den armenischen Völkermord. Seit Jahren expandieren sie vor allem in Oberösterreich und in der Umgebung von Salzburg-Stadt. 2013 erwarben sie in Salzburg-Bergheim zwei Bürogebäude und adaptierten sie. Dann führte ihr Weg nach Bayern.

Ein “historischer” Handschlag

Cemal Çetin, Vorsitzender des Dachverbandes der Grauen Wölfe in Europa und Abgeordneter der rechtsextremen MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung), gehörte der türkischen Delegation beim NATO-Gipfel im Juli 2018 an und wurde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen fotografiert. Letzten Endes ist es Merkel, die den Rechtsextremismus dank der in ihrer Amtszeit entstandenen AfD hoffähig machte.

Es ist normal, dass bei Fußball-Länderspielen eigens angereiste Supporter bei slawischen oder sonstigen Weltkriegsgegnern und unterjochten Völkern das Deutschlandlied grölen und Nazislogans rufen, wie Anfang September 2017 im Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft 2018 zwischen Tschechien und Deutschland, wo auch Pyrotechnik gezündet wurde und “Sieg Heil”-Rufe zu hören waren. Und dies ausgerechnet in Prag (!).

Seit jeher fahren rechtsextreme Deutsche in lothringische und elsässische Grenzorte oder weiter von der Grenze entfernte Kaffs,, um dort ungestört zu feiern. Denn auf französischer Seite sind Neonazis ungestört. Erstens ist die französische Gesetzgebung in Sachen NS-Symbolen nachsichtiger als die deutsche und österreichische, zweitens sind die meisten lokalen Beobachter der ehemaligen RG (Renseignements Généraux) und jetzigen DGRI (Direction Générale du Renseignement Intérieur) der deutschen Sprache gar nicht mehr mächtig. “Heil Hitler!” können sie gerade noch verstehen, aber dieser Nazigruß ist auf französischem Territorium nicht verboten…

Schon in den 70er Jahren fiel auf, dass sich viele deutsche Neonazis, insbesondere Terroristen, nach Frankreich zurückzogen. Und zwar nicht nur nach Elsass-Lothringen, sondern am liebsten gleich nach Paris. Eine Stadt wie Toul fiel schon vor den 90er Jahren als Mittelpunkt der Nazirockszene auf, und zwar in einem Privatclub in der rue de l’Escadrille des Cigognes. Seit der Wende, als sich sowieso die rechte Szene in das Sachsen von Kohl-Freund Kurt Biedenkopf, Schwiegersohn des durch Arisierungen noch reicher gewordenen Fritz Ries, von Südwestdeutschland in die ehemalige DDR verlagerte, findet in Toul das Europäische Fest der Hammerskins – “Hammerfest” – statt, zu dem nicht nur Franzosen und Deutsche pilgern.

Die Hammerskins sind sehr gut organisiert und ihre Mitglieder sind zu jeder Gewalttat bereit. Sie wurden 1979 in Dallas gegründet und verbreiteten sich recht schnell in der westlichen Welt. 1990 wurde ausgerechnet in der Schweiz das erste europäische “Kapitel” der Hammerskins gegründet. Sie betrachten sich als die Elite der rassistischen Rechten, und um Mitglied eines nationalen “Kapitels” zu werden, müssen – ähnlich wie bei den Freimaurern – bestimmte Initiationsriten absolviert werden, inbegriffen einschlägige Straftaten bis hin zum Mord… Im Jahre 2012 machten sie anlässlich des Massakers von 6 Personen in einem Sikh-Tempel in Milwaukee (Wisconsin) durch den 40-jährigen Hammerskin Wade Michael Page von sich reden, der – von einem Polizisten angeschossen – Selbstmord beging.

Neuerdings ist die Schweiz das neue Frankreich deutscher Neonazis. Die Rede ist nicht von Alice Weidel aus der zweisprachigen Stadt Biel/Bienne, obwohl es einige Berührungspunkte mit ihrer AfD gibt. Besonders im zwei- und auch nur deutschsprachigem Oberwallis sind viele deutsche Neonazis anzutreffen, und auch die Deutschschweiz dient als Rückzugsort von im Reich unerwünschten Rechtsextremen. Waffen für deutsche Neonazis, auch für die damalige NSU, kommen aus der in solchen Dingen liberalen Schweiz. Wegen der hohen Waffendichte bei den Eidgenossen fallen Fehlmengen nicht auf… Vielartig sind die Verbindungen zu den rechtsextremen Netzwerken wie Blood & Honour und zu den Identitären.

In neuester Zeit machen diese “Identitären” von sich reden, die mit einem eigenen gecharterten “Rettungsschiff”, der C-Star, in Wirklichkeit einem Waffenschmuggler gehörend, 2017 das östliche und übrige Mittelmeer unsicher machten. In Wirklichkeit diente diese Aktion “Defend Europe” rechtsradikalen Propagandazwecken und der Verfolgung von echten ONG-Rettungsschiffen – letzthin mit der Forderung, die Flüchtlinge zurück nach Afrika zu bringen…

Der anfangs von mir erwähnte Ibrahim Okçuoğlu weist mit Recht darauf hin, dass seit der “Wende” auch der deutsche Imperialismus und Militarismus wieder in Erscheinung treten, Angefangen mit den Balkankriegen, die durch die Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und später Joschka Fischer (Grüne) angeheizt wurden. Ganz zu Anfang durch Unterstützung der kroatischen Faschisten. Später, vor, während und nach dem Kosovo-Krieg mischte auch die Schweiz mit, unter anderen durch Verteidigungsminister Adolf Ogi, Schutzherr des umstrittenen, weil kriminellen Führers der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK und jetzigen Staatspräsidenten Hashim Thaçi.

Der Kosovo ist faktisch der 27. Kanton der Schweiz, und zurzeit soll es schon mehr als 60 000 Kosovaren geben, die entweder nur die Schweizer Staatsangehörigkeit besitzen oder Doppelbürger sind. Allerdings ist obige Anzahl von Schweizer Kosovaren umstritten, weil erst seit Oktober 2008, also nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar desselben Jahres, überhaupt erst von  “Kosovaren” im eigentlichen Sinne die Rede ist, den vorher waren sie als Serben oder Montenegriner erfasst und bleiben es leider immer noch… Da “echte” Kosovaren albanophone Muslime sein sollten, bringt dies einige Probleme mit sich, bis hin zum Dschihadismus, der dadurch noch unkontrollierbarer wird – außer für die Iraner und Saudis, die ihn auf dem Balkan verbreiten.

In den letzten Jahren rückten der Nahe und der Mittlere Osten sowie Afrika in Berlins Interessenssphäre, und deutsche Truppen rückten ein. Nach den Terroranschlägen vom 11.9.2001 haben insgesamt schon über 90 000 Bundeswehr-Soldaten Deutschlands Freiheit und Demokratie am Hindukusch verteidigt, so dass Afghanistan demnächst unversehrt den Taliban übergeben werden kann… Und deutsche Soldaten verteidigen den Merkelfaschismus inzwischen auch im Irak und in Mali, und sicherlich demnächst auch im Persischen Golf. Wobei wir wieder bei den unbedarften deutschen Verteidigungsministerinnen wären, die liebend gerne und recht häufig zu “ihren” lieben Kameraden an der Front fliegen, in zünftiger Schutzkleidung, und ohne jeglichen Kontakt zu den Eingeborenen. Die Angst vor islamistischem Terror ist groß in Merkeldeutschland, nicht zuletzt aufgrund der vielen IS-Rückkehrer aus Syrien und dem Irak.

Aber der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeigte, dass auch organisierte gewalttätige Rechtsextremismus à la NSU weitergeht – nur diesmal gegen Biodeutsche gerichtet und in offenen Terror umschlagend: So musste die Berliner Parteizentrale der Linken wegen einer Bombendrohung zeitweise geräumt werden. Der vermutliche Unterschreiber des Drohbriefes ist “Combat 18”, der bewaffnete Arm des verbotenen Neonazi-Netzwerks “Blood & Honour”. Die 18 ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H – die Initialen Adolf Hitlers… Und in Zittau wurde ein Sprengstoffanschlag auf die Privatwohnung einer Stadträtin verübt. Aber auch in Moscheen in Mannheim, Duisburg und Mainz gingen Bombendrohungen ein und in Leipzig stehen zwei Kitas unter Polizeischutz, weil sie Schweinefleisch aus religiösem Respekt vom Speiseplan gestrichen haben…

Was könnte 2019 ein neuer Georg Elser ausrichten bzw. verhindern? Den deutschen Neonazismus, der sich in der EU ausbreitet und den deutschen Imperialismus, der dank der faktisch von Deutschland ins Leben gerufenen EU erstarkt und nach einem BREXIT übermächtig wird? Schon 1939 war die Welt komplexer, als sie dem Laien auf den ersten Blick erscheinen mag: Stalin war noch Hitlers “Freund”, das wird zu oft vergessen… Und in Sibirien rüttelten die Japaner an Russlands Grenzen. Und gerade hatten sich in Europa Großbritannien und Frankreich dem bedauernswerten Polen gegenüber als recht wankelmütige “Alliierte” erwiesen.

Da sich kein westlicher Geheimdienst dazu berufen fühlt: Was würde ein saudischer Bin Elser bewirken, dem ein Attentat gegen den Killerprinzen Mohammed Bin Salman gelingen würde? – Man darf ruhig träumen, in einer Zeit, in der eher zarte Knaben vor heranrollende Züge geschubst werden,,.

Und falls sich dieses Mal die USA wirklich aus Europa heraushalten, das schließlich nicht mehr der Kontinent der meisten Vorfahren der US-Amerikaner ist?

01.08.2019

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