https://dushanwegner...." /> Die Angst der Deutschen vor dem Fremden – Harry R. Wilkens

Almanya

Published on Mayıs 25th, 2018 | by Avrupa Forum 3

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Die Angst der Deutschen vor dem Fremden – Harry R. Wilkens

In seiner Homepage https://dushanwegner.com schreibt der aus Mähren stammende Dushan Wegner in seinem Artikel “Rassismus und politische Korrektheit haben dieselbe Motivation”:

“Es geht um Macht. Dem Rassisten geht es um Macht. Dem Verballhorner fremdländischer Namen geht es um Macht. Dem Sexisten, der das Gegenüber auf seine Genitalia reduziert, geht es um Macht.”


Jetzt wissen wir, warum manche Deutsche – außer politisch Unkorrekte wie z.B. Harald Schmidt – gute alte jüdische Familiennamen “Weinstien” und “Sackerbörg” aussprechen…

Unter “German Angst” kann man inzwischen auch die Urangst der in ihrem gemütlichen kulturellen und politischen Konsens lebenden Deutschen vor dem Fremden und den Fremden verstehen. Diese Furcht muss nicht unbedingt mit Hass einhergehen, sondern nur mit Verachtung, mit dem Ignorieren des “Anderen”, “Fremden” – und wenn er nur im Nachbarhaus wohnt, so wie es z.B. auf Kreta während der Unabhängigkeit (1898-1913) der Fall war und von Nikos Kazantzakis ausführlich geschildert wurde. Schon aus den deutschen Ostgebieten wissen wir, dass Deutsche mit ihren slawischen Nachbarn lieber nebeneinander als miteinander lebten. Nach dieser Art lebten Deutsche lange Zeit in Nord- und Südamerika, und heute noch die Amish in Pennsylvania. Aber auch viele Juden in Brooklyn und anderswo.

Als Beispiel für das deutsche Unverständnis ihrer Nachbarn “mit Migrationshintergrund”, also auch der Türken, Kurden, Araber usw., möchte ich den 30-minütigen NDR-Dokumentarfilm “7 Tage unter Juden” anführen, der die Eindrücke eines jungen deutschen Journalisten schildert, der das Pessach-Fest in einer jüdischen Familie im norddeutschen Oldenburg verbringt, wo es eine eigene Synagoge (mit kleiner Mikwe) gibt, die von einem jungen Rabbinerpaar geführt wird, das sich auf der deutschen Rabbinerschule kennengelernt hatte.

Die junge liberale Rabbinerin gab sich als Ukrainerin zu erkennen, die erst als Kind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Judentum fand. Offensichtlich gehört sie zu den Ukrainern und Russen, die kein Jiddisch mehr sprechen, wie ich sie selber schon 1996 in Israel angetroffen hatte. Aber die Begriffe “Jiddisch”, “Friesisch”, “Aschkenase” und “Sepharde”, sowie die Sprachenfrage überhaupt, wurde ohnehin nie in diesem Film angesprochen…

Die einzige Fremdsprache, die man hörte, waren dahingeleierte hebräische Gebete und Segenssprüche, sowie offensichtlich hebräische Lieder, die alle dem jungen deutschen Journalisten gefielen, was dieser auch mehrmals betonte – gleichzeitig aber auch, dass er kein Wort davon verstand, was also wieder die Fremdartigkeit, den Exotismus, hervorhob…

Alles, was eigentlich für Deutsche normal sein sollte, wie Hühnersuppe mit Mehl- oder Bröselknödeln, war für den jungen Gast schon schmackhafte exotische Küche, die er sehr vermissen würde, es sei denn, er kaufe bei Juden. Gelegentliche im Drehbuch vorgesehene “pädagogisch wertvolle” Vorstöße in Richtung Antisemitismus und Holocaust sowie Israel und Palästina wurden vom jungen Rabbiner auf intelligente Art und Weise – vermutlich außerdrehbuchmäßig – abgeblockt bzw. mit jüdischer Ironie beantwortet, was einen mehrmals verdutzten Frager zurückliess.

In Oldenburg war es der NSDAP bei den Wahlen zum Oldenburgischen Landtag 1932 erstmals in einem Land des deutschen Reiches gelungen, mit über 48% die absolute Mehrheit zu erzielen… In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 beteiligten sich Oldenburger SA-Truppen an den reichsweiten Novemberpogromen. Die Synagoge und die jüdische Schule wurden niedergebrannt, Läden zerstört. In der Folge wurden die Oldenburger Juden und Sinti deportiert.

Dies wurde im Film nicht erwähnt, weswegen es dem mit der Problematik vertrauten Zuschauer bitter aufstieß, als diese postsowjetische Idylle unangenehm politisch wurde, denn der junge “naive” Deutsche wollte von in Deutschland geborenen Mädchen im Teenageralter wissen, ob sie schon einmal in Israel waren, und was ihre Zukunftspläne seien.

Ja, eine war mehrmals in Israel, wollte dort wohnen und sogar einen vier (!) Jahre langen Armeedienst freiwillig leisten… Warum nicht eher zur Bundeswehr? Auf diese lauernde Frage war die hübsche Amazone leider nicht vorbereitet worden. Es wurde peinlich, und der Film neigte sich sowieso dem Ende zu.

Was der Zuschauer daraus erfuhr? Nun, dass die älteste anwesende Jüdin – eher mit einem französischen Akzent sprechend – zugab, als Zwanzigjährige aus Israel wegen ihrem deutschen Mann eingewandert zu sein, obwohl sie deswegen bei ihren dortigen – vermutlich sephardischen – Angehörigen auf Unverständnis stieß, aber auch bei dem jungen Journalisten, der sich nicht getraute, nachzufragen, ob jener Deutsche ebenfalls jüdischen Glaubens war…

In letzter Zeit wurde es in Deutschland zu einer medienwirksamen Mutprobe, antisemitische Reaktionen hervorzurufen und sich dann als “philosemitischen Helden” feiern zu lassen. Es werden also schlafende Hunde geweckt, wozu vor allem Migranten aus Nahost mit und ohne palästinische Wurzeln missbraucht werden, die auf solche schäbigen Tricks hereinfallen und hart bestraft werden, darunter mit “Rückführung”.

Vor allem aber soll durch solche Aktionen medienwirksam vorgegaukelt werden, dass “wir Deutsche” nicht antisemitisch sind, und mit “unseren jüdischen Mitbürgern” zum einen und “unseren israelischen Freunden” zum anderen in bester Harmonie leben. Diese Harmonie bekräftigen “wir Deutsche” in einer beispiellosen – aber nicht beispielhaften – Betroffenheitskultur schon seit über 70 Jahren durch sünden- und sühnestolze Abbitte “unserer Elite” alljährlich mit Kippa in einer Synagoge – und ohne Kippa im Juli in Bayreuth, wie die meisten “unserer Kanzler” und deren Gefolge.

Aber im deutschen Volke selbst, das schuftet und leidet, ist die Judenfeindlichkeit seit über tausend Jahre tief verwurzelt, seit der Wormser Dom und andere Trutzburgen des gemeinsamen Gottes der Christen, Juden und Muslime auf der gesegneten Erde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gen Himmel ragen. Aber gerade dies kann man von den Menschen auf der mehr oder weniger gesegneten, fruchtbaren oder ausgedörrten Erde der arabischen und muslimischen Welt nicht sagen, denn seit über tausend Jahren wird dort alles versucht, um im Schatten der uralten Klöster, der Moscheen, Kirchen und anderer Kultstätten des gemeinsamen Gottes friedlich miteinander zu leben, trotz der Einmischung des Westens seit den Kreuzzügen, bis hin zu Lawrence von Arabien und Donald Trump.

Illustration: Das Gerücht

Harry R. Wilkens

25.05.2018

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