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Published on Nisan 30th, 2020 | by Avrupa Forum 1

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Was kommt nach der Pax Americana? – Harry R. Wilkens

Zur Pax Americana (und den Westallierten im Zweiten Weltkrieg) gehört auch das – bisher vergebliche – Streben nach dem endgültigen Verschwinden des deutschen Chauvinismus, darunter die traditionelle Frankophobie, die der französischen Germanophobie in nichts nachsteht.

Im Zuge der Coronahysterie standen deutsche und französische TV-Sendewagen dies- und jenseits der sogenannten “Europabrücke” zwischen Kehl und Straßburg. Dabei wurden auf der Kehler Seite meist nur frankophone Gesprächspartner aus Elsass-Lothringen interviewt, denn die kamen ja aus “Frankreich”, von “jenseits des Rheins” – “au-delà du Rhin”. Fand solch eine Sendung im ebenfalls linksrheinischen Straßburg oder Saarbrücken statt, waren die interviewten Saarländer und Pfälzer natürlich aus Deutschland, und ebenso germanophon wie die Kehler in Baden….

In Frankreich, zu denen die linksrheinischen Gebiete unter Napoléon Bonaparte in Form von französischen Départements gehörten, ist man sich gar nicht mehr bewusst, dass der größte Teil von Rheinland-Pfalz und ein kleinerer Teil von Nordrhein-Westfalen von Frankreich aus gesehen “diesseits des Rheins” – “de ce côté-ci du Rhin” – liegen, genauso wie Frankreich und die Beneluxstaaten…

Soviel zu dem deutsch-französischen chauvinistischen Stuss, also zur “politischen Korrektheit” und zum “politiquement correct”. Die Älteren unter uns erinnern sich an die an Komik nicht zu überbietende Szene, als Silvio Berlusconi – auf der Europabrücke in ein Telefoninogespräch vertieft – die anderen EU-Staatshäupter warten liess, unter den missbilligenden Augen und dem üblichen Mienenspiel der “Madre culona inchiavabile” Angela Merkel….

Denn eine deutsch-italienische Freundschaft gab es auch unter Hitler nicht, obwohl Mussolini den Grökaz sicherlich attraktiver fand als später Berlusconi die Grökaz… Und bekanntlich hat Merkel mit Europa noch weniger am Hut als die Nazis, darunter Walter Hallstein (1901-1982), der erste Präsident der EWG-Kommission von 1958 bis 1967, als mein 2-Jahresvertrag (1967-68) in der EWG-Kommission anfing…

Damit wären nur einige Vorurteile bestätigt. Die gegen die Polen und anderen Slawen und Europäer, und natürlich gegen die – politisch korrekt – “Jüdinnen und Juden” sind ja sattsam bekannt… Auch die Begründungen der Bürgerkriege, die gleich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sogar im traditionellen deutschen Untertanenstaat ausgelöst wurden.

Falls die USA mithilfe der NATO-Staaten und unter der Billigung Russlands und Indiens das Reich der Mitte angreifen, was werden die Pakistanis, Iraner und Saudis angesichts des Verschwindens der Pax Americana im Nahen und Mittleren Osten und des Zerfalls von Syrien und dem Irak tun? Wird den Kurden immer noch ein eigener Staat als Dank für ihre Mithilfe versprochen?

Wo platzieren sich die ohnehin fragilen vier Tigerstaaten Hongkong, Taiwan, sowie Singapur und Südkorea? Kommt es zu einer koreanischen Wiedervereinigung? Und Taiwan endlich wieder zum Festland China? Wird es zu einer koreanischen Wiedervereinigung kommen? Wo platzieren sich Japan und die Philippinen? Was wird mit den islamischen Großmächten Indonesien und Malaysia geschehen, und mit der verrückten Autokratie Thailand?’

Auf die Europäer oder gar EU ist nicht zu zählen. Die werden sowieso ihre eigenen Probleme mit dem wiedererstarkten Islamischen Staats haben. Zudem gehören sie meist zur NATO, ebenso wie die Türkei… Zusätzlich sind sie durch die Konsequenzen des Corona-Virus geschwächt, ebenso wie die USA, die mehr denn je am “America first” festhalten

In der Golfregion wäre denkbar, dass Saudi-Arabien mit israelischer Unterstützung zur Atommacht wird und damit zu Iran und Pakistan ein Gegengewicht bildet. Die wirtschaftliche Dominanz der USA hat im Laufe der Zeit abgenommen – nicht weil sie ärmer werden, sondern weil der Rest der Welt reicher wird, sich zum Beispiel Elektroautos kaufen kann, und vor allem modernste Smartphones, die dazu in der Lage sind, moderne Tracking-Apps herunterzuladen, die den Regierungen melden, wo man sich befindet und mit wem man denn so im In- und Ausland verkehrt…

Dank Fracking-Technologie sind die USA so unabhängig von Ölimporten wie noch nie. Doch die Industrie hat ihre besten Zeiten womöglich hinter sich – und gerät nun wegen fallender Ölpreise zusätzlich unter Druck. Trotzdem könnten trotz der umweltschädlichen Förderung des Fracking-Öls die USA immer noch den Ölreichtum des Nahen und Mittleren Ostens, vielleicht gar Russlands, brauchen… Die Folgen der Corina-Epidemie im weltgrößten Öl- und Gasimporteur China dürfte den Trend noch verstärken; es sei denn, die fernöstlich-kulinarischen Wetmarkets werden endlich trockengelegt.

Mit der berühmten Ölsorte Brent ist es auch bald vorbei. Das Brent-Feld in der Nordsee, an dem Europa jahrzehntelang den Erdölpreis gemessen hat, ist erschöpft. Die Förderung lohnt sich nicht mehr. Demnächst wird die letzte von vier Öl- und Gasbohrinseln außer Betrieb gesetzt.

Inwieweit können alle Staaten die zähe Widerstandskraft der Taliban Afghanistans ignorieren? Die Russen marschierten 1979 in Afghanistan ein und 1989 wieder hinaus, und überliessen den USA und einigen NATO-Staaten das Feld.

Welche Stellung wird die Türkei einnehmen? Wie geht es in Ägypten weiter? In Libyen und im übrigen Maghreb?

Macht Deutschland nach Merkel mit seinen Bundeswehr-Einsätzen in Mali weiter, oder auf welche Art und Weise werden Boko Haram und der Flüchtlingsstrom bekämpft? In Afrika gibt es “Löwenstaaten” mit teilweise exzellenten Verbindungen mit China – vor allem Äthiopien, Kenia, Mosambik, Angola, Lesotho, Nigeria, Ghana, Ruanda, Kongo, Südafrika, und viele andere Länder….

Eine Sache ist sicher: Mit dem westalliierten Exportschlager der gewaltenteiligen “Demokratie” ist es vorbei. Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass der englische Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) recht hatte: “Menschen geben ihre Freiheiten zugunsten eines Staates auf, der ihre Sicherheit garantieren kann.” Und in der Gegenwart schwebt der Merkiavelli eine “marktkonforme Demokratie” vor, etwa nach dem Vorbild ihrer Lieblingsländer China und USA …

Eine Sache ist sicher: Unter den Merkels, Putins und Trumps dieser entglobalisierten Neuen Welt nach der Pax Americana werden Humanität und Mitgefühl für die Elenden weiterhin “heruntergefahren”. Diese grausame Situation und Zukunft wird zurzeit sehr anschaulich im Inferno der Ägäis und des Mittelmeers gezeigt.

30.04.2020

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